UN-Umweltchef unterstützt vorgeschlagene UN-Dekade zur Wiederherstellung der Ökosysteme

Erik Solheim, head of UN Environment, speaks at Global Landscapes Forum, Marrakech, Morocco. GLF/Pilar Valbuena
23 August 2018

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NAIROBI (Landscape News) – Ein Jahrzehnt, das der Förderung der Wiederherstellung degradierter, beschädigter und zerstörter Ökosysteme gewidmet ist, würde dazu beitragen, den Wettlauf gegen den Klimawandel und gegen den Verlust der biologischen Vielfalt zu beschleunigen, so Erik Solheim, der Leiter des UN-Umweltprogramms.

Solheim machte diese Bemerkungen am Donnerstag in der Antwort auf eine Erklärung, in der die Regierung von El Salvador den Vorschlag für eine UN-Dekade zur Wiederherstellung der Ökosysteme 2020–2030 genauer ausführt.

Das zweiseitige Dokument wurde vor der August-Konferenz des Global Landscapes Forum (GLF) veröffentlicht, die nächste Woche im Hauptsitz des UN-Umweltprogramms in Nairobi stattfinden wird und auf der das Thema voraussichtlich im Mittelpunkt der Diskussionen der 800 Delegierten und Tausenden von Online-Teilnehmern stehen wird.

„Die Wiederherstellung der Ökosysteme kann dem Klimawandel, der Armut und dem Verlust der Artenvielfalt entgegenwirken“, sagte Solheim, der auf der Veranstaltung sprechen wird.

„Eine UN-Dekade für die Wiederherstellung der Ökosysteme würde uns die Möglichkeit geben, die Wiederherstellungsmaßnahmen zu beschleunigen. Das UN-Umweltprogramm unterstützt El Salvador und die vielen anderen Länder, die sich für diese Idee einsetzen.“

DIE SAAT IST AUSGEBRACHT

Das Ministerium für Umwelt und natürliche Ressourcen von El Salvador präsentierte die Idee erstmals im März im Rahmen einer großen internationalen Bonn Challenge-Veranstaltung in Foz do Iguacu, Brasilien. Das zentrale Ziel ist es, weltweit mehr als 2 Milliarden Hektar degradiertes Land wiederherzustellen – eine Fläche größer als Südamerika.

Seitdem hat die Vision an Dynamik gewonnen und wird nun offiziell von den acht Mitgliedern der Zentralamerikanischen Kommission für Umwelt und Entwicklung (CCAD) im Rahmen des Zentralamerikanischen Integrationssystems (SICA) unterstützt. Auch der Exekutivsekretär der CCAD, Salvador Nieto, wird bei der GLF sprechen.

El Salvador drängt die internationale Gemeinschaft, seinen Vorschlag zu unterstützen und im September in New York auf der UN-Generalversammlung voranzubringen.

Solheim sagte dazu: „Die UN-Mitgliedsstaaten müssen in der Generalversammlung über die Dekade entscheiden. Das UN-Umweltprogramm steht bereit, um sie gemeinsam mit unserer Schwesterorganisation, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, zu einem Erfolg zu machen.”

Das Ziel der Länder, die eine UN-Dekade zur Wiederherstellung der Ökosysteme unterstützen, ist es, die Landschaftsrestaurierung in den nationalen Agenden in den Vordergrund zu rücken und die Bemühungen der verschiedenen Länder zur Erfüllung des UN-Ziels für nachhaltige Entwicklung (SDG) 15, Leben an Land, zu unterstützen.

Der salvadoranische Vorschlag empfiehlt, die Fortschritte bei der Restaurierung international zu überwachen.

„Dies wird sich in einem Beitrag zu den SDGs und der Agenda 2030, insbesondere der SDG 15, manifestieren und maßgeblich zur Erreichung der SDGs 2 (Kein Hunger), 6 (Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen), 12 (Verantwortungsvoller Konsum und Produktion), 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und 14 (Leben unter Wasser) beitragen“, heißt es in der Erklärung.

Die Bodendegradation durch menschliche Aktivitäten wie Landwirtschaft und Ressourcenentnahme habe negative Auswirkungen auf das Leben von mindestens 3,2 Milliarden Menschen und koste – gemäß einem Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) – durch den Verlust von Biodiversität und Ökosystem-Dienstleistungen mehr als 10 Prozent des jährlichen globalen Bruttoinlandsprodukts.

HOHES ENGAGEMENT

Mit einer auf Restaurierung ausgerichteten Dekade könnte man – in kosteneffektiver Weise – der starken Degradation der Ökosysteme und Agrar-Ökosysteme, deren Gefährdung durch die vom Klimawandel verursachten Umweltbedrohungen und den Folgen für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung entgegenwirken, sagte die salvadoranische Ministerin für Umwelt und natürliche Ressourcen, Lina Pohl, im Juli in einem Interview mit Landscape News .

„In El Salvador hat die Degradation der Ökosysteme Veränderungen in ihren Strukturen und Funktionen verursacht, und dies hat zu einem Verlust an biologischer Vielfalt und einem Rückgang des Angebots an Ökosystem-Dienstleistungen geführt. Das wiederum wirkt sich in den betroffenen Gebieten auf die Produktivität und die Lebensqualität aus und erhöht die Anfälligkeit gegenüber den Klimabedrohungen“, fuhr Pohl fort.

„Angesichts der rapiden Zunahme von Katastrophen im Zusammenhang mit dem Klimawandel muss das Land ein aggressives Restaurierungsprogramm fördern, das die Belastbarkeit der Systeme erhöht, ihre Anfälligkeit verringert und zu ihrer Fähigkeit beiträgt, sich an alltägliche Bedrohungen und extreme Ereignisse anzupassen.“

El Salvador spielt eine regionale Vorreiterrolle in der Initiative 20×20, einem südamerikanischen Restaurierungsrahmenplan, der den Zielen der Bonn Challenge gewidmet ist. Die Bonn Challenge ist ein globales Projekt zur Wiederherstellung von 350 Millionen Hektar degradierter Flächen bis 2030, das bei den UN-Klimagesprächen 2014 im Rahmen der New Yorker Walderklärung vereinbart wurde.

In den 20 Jahren seit der Gründung seines Ministeriums für Umwelt und natürliche Ressourcen hat sich das kleinste Land Mittelamerikas intensiv um den Schutz seiner einzigartigen Artenvielfalt bemüht. Im Jahr 2012 rief das Ministerium ein innovatives Programm zur Wiederherstellung der Ökosysteme und der ländlichen Landschaften ins Leben.

Die Veranstaltung in Brasilien, die vom deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und der Weltnaturschutzunion (IUCN) gemeinsam organisiert wurde, führte zu Diskussionen über Erfahrungen, Innovationen und Finanzierungsinitiativen im Zusammenhang mit der Restaurierung von Waldlandschaften.

„Die Wiederherstellung von Ökosystemen kann greifbare Vorteile bringen, die die Ernährungs- und Wasserversorgungssicherheit erhöhen, zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel beitragen und helfen, die damit verbundenen Risiken wie Klimaveränderung und Migration anzugehen“, heißt es in der salvadoranischen Erklärung zur vorgeschlagenen Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen.

„Es hat sich erwiesen, dass Investitionen in die Wiederherstellung von Ökosystemen etwa das Zehnfache der Erstinvestition einbringen, während die Kosten von Untätigkeit mindestens dreimal so hoch sind wie die der aktiven Wiederherstellung von Ökosystemen.“

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