Gemeinschaftliche Landrechte eröffnen Investitionsmöglichkeiten im globalen Süden

Lemongrass harvested from the Chisapani Community Forest in Bagmati, Nepal, is distilled into essential oil and sold. The income earned goes back to the community user group. CIFOR/Chandra Shekhar Karki
Gregory McGann
26 Juli 2018

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BONN, Deutschland (Landscape News) – Die Übertragung von Landbesitzrechten auf im Wald lebende Gemeinschaften im letzten Vierteljahrhundert hat nach Ansicht eines führenden Wissenschaftlers zur Entwicklung unternehmerischer Initiativen mit erheblichen positiven sozioökonomischen Auswirkungen für die Lebensgrundlagen der Einheimischen geführt.

Anhand von Fallbeispielen aus Guatemala, Namibia, Nepal und Mexiko zeigt Steven Lawry, Direktor für Chancengleichheit, Geschlechterfragen, Besitz und Gerechtigkeit am Center for International Forestry Research (CIFOR), auf, wie Eigentums- und Ausschlussrechte Anreize für Gemeinschaften schaffen, ihre Ressourcen proaktiv zu verwalten, was wiederum zu einer gerechten Verteilung des Nutzens und nachhaltigen Vorteilen für die Umwelt führt.

„Es handelt sich um Gemeinschaften, denen bedeutsame Rechte vorenthalten wurden – wo Unabhängigkeitsregierungen das koloniale Modell des Staatseigentums beibehielten“, so Lawry, der kürzlich ein Forschungspapier zu diesem Thema im Hauptsitz der Weltbank in Washington, D.C. vorstellte.

Er sagte, den im Wald lebenden Gemeinschaften fehle die Fähigkeit, sich für den Aufbau von Organisationen und Institutionen zu koordinieren, und erklärte, dass sich die Investitionsbereitschaft mit der Zeit entwickle.

„Wir haben jetzt eine neue Architektur, die den Regierungen bei der Verbesserung der Bedingungen vor Ort weit voraus ist. Es handelt sich im Wesentlichen um marktgetriebene Reformen, deren bessere Ergebnisse jetzt wirklich Gestalt annehmen.“

Bei einem eintägigen Gipfeltreffen des Global Landscapes Forum am 30. Mai in Washington unter dem Titel “Building the Investment Case for Sustainable Landscapes and Restoration” („Erstellung des Investment Case für nachhaltige Landschaften und Restaurierung“) werden die Delegierten darüber diskutieren, wie Besitzreformen, die den Gemeinschaften stärkere Rechte an Wäldern und anderen natürlichen Ressourcen geben, Anreize für neue Formen finanzieller Investitionen in Unternehmen bieten, die diese Ressourcen nachhaltig nutzen.

VERÄNDERUNG DER LEBENSGRUNDLAGEN

Lawry, der das Wissenskomitee leitet, das den Rahmen für den ebenfalls im Hauptsitz der Weltbank stattfindenden Gipfel entwickelt, sagte, seine Studie zeige, dass zum Beispiel in Nepal seit 1992 rund 20 000 Waldnutzergemeinschaften von der Regierung Zugang zu Landbesitzrechten erhalten haben.

Landrechte haben zur Entstehung einer Reihe von unternehmerischen Initiativen in Nepal geführt, darunter die Verarbeitung und Vermarktung von Biokompostdünger, die Holzproduktion und -vermahlung, der Anbau verschiedener Zitronengrasarten und die Herstellung ätherischer Öle. Ein Teil ihrer Einnahmen wird von diesen lokal geführten Nutzergruppen in Aufforstungen, Straßen, Schulen und Gesundheitszentren investiert.

Darüber hinaus haben die Mitglieder der lokalen Gemeinschaften, insbesondere die Frauen, eine größere finanzielle Unabhängigkeit erlangt und widmen sich dem selbstständigen Unternehmertum.

Land- und Ressourcenrechte führen laut Lawry zur Entstehung investitionsbereiter Umfelder, die sich stufenweise entwickeln. Zunächst gibt das kollektive Eigentum den Mitgliedern der Gruppe die Gewissheit, dass sie von den Einnahmen neuer Gruppen- und Privatunternehmen profitieren werden. Die Einheimischen investieren ihre Ersparnisse in Kleinunternehmen, Wohnraum und andere soziale Güter.

Im Verwaltungsbezirk Petén im Maya-Biosphärenreservat in Guatemala profitieren die lokalen Gemeinschaften seit Mitte der 1990er-Jahre von 25-jährigen Pachtverträgen über Waldflächen zur Ernte und Vermarktung hochwertiger Hölzer nach hohen, vom Forest Stewardship Council. zertifizierten Standards für nachhaltige Nutzung.

Dadurch erhielten die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft Gewinnanteile aus dem Holzverkauf, und die Beschäftigungssituation habe sich verbessert. Darüber hinaus verdienten die Einheimischen Geld durch reglementierte Jagd, den Verkauf von Nichtholzprodukten und die Landwirtschaft, so Lawry, der hinzufügt, die Entwaldungsraten seien wesentlich niedriger als in den umliegenden Gebieten.

Zusätzlich wurden Mittel für die Straßeninstandhaltung, Gesundheitskliniken, Schulen und andere Dienstleistungen bereitgestellt.

Ein großes gemeinschaftlich geleitetes Waldbewirtschaftungsprojekt, an dem 475 Gemeinden in Mexiko beteiligt sind, hat zur Zertifizierung von 40 Gemeinschaftswäldern und zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung einer Fläche von über 1,5 Millionen Hektar geführt. Die Gewinne der Gemeinschaftsunternehmen werden kommerziell in die Erneuerung der Infrastruktur für die Holzgewinnung oder in Unterstützungsdienste für die Gemeinschaft, wie Trinkwassersysteme und Gesundheitskliniken, reinvestiert. Die Gemeinschaftsforstbetriebe im Bundesstaat Oaxaca stellen im Holzgewinnungssektor 75 bis 100 Prozent der Arbeitsplätze. Diese Investitionen wurden durch eine Reform des Forstgesetzes im Jahr 1985 ermöglicht, die den Nutzern der Ejidos (gemeinsamer Grundbesitz) verbesserte Rechte über die lokalen Wälder einräumte.

Nach der Unabhängigkeit von Südafrika führte die namibische Regierung 1990 gemeinschaftsbasierte Ressourcenbewirtschaftungsprogramme ein, um die Tierwelt besser zu schützen. Lokale Gemeinschaften erhielten eindeutige Rechte an den Wildtieren und wurden dafür angeworben, in den über achtzig durch die Reform geschaffenen kommunalen Wildschutzgebieten zu patrouillieren und Wilderer zu melden. Heute erstrecken sich die Schutzgebiete über fast 20 Prozent des Staatsgebiets.

„Namibias gemeinschaftsbasiertes Ressourcenbewirtschaftungsprogramm gilt heute als eines der weltweit erfolgreichsten Beispiele für Gemeinschaften, die die Artenvielfalt schützen und sozialen und wirtschaftlichen Nutzen aus dem Tourismus ziehen“, sagte Lawry.

Alle vier Projekte erhielten eine Seed-Finanzierung von verschiedenen internationalen Entwicklungsorganisationen wie der U.S. Agency for International Development, dem britischen Ministerium für internationale Entwicklung oder der Interamerikanischen Entwicklungsbank sowie internationalen Naturschutzorganisationen wie der Rainforest Alliance und dem World Wildlife Fund.

INVESTITIONSBEREITSCHAFT

„Für privat geführte Unternehmen kann die Investition in Kontexten, in denen gemeinschaftliche Rechte involviert sind, zahlreiche Fragen aufwerfen. In den erfolgreichen Fällen hat in der Regel eine Vermittlung zwischen den Gemeinschaften und den lokalen Unternehmen stattgefunden“, sagte Lawry. „Die Investition in Umfeldern, in denen sich die Ressourcen in kollektivem Besitz befinden, erfordert von privaten Investoren Erfahrung und ein gutes Verständnis dafür, was es braucht, um in solchen Kontexten mit Unternehmen zusammenzuarbeiten.“

Eine der Chancen der Anerkennung dieser Rechte besteht darin, dass eine Waldnutzergemeinschaft oder eine Eigentümergruppe die Verantwortung für Investitionen übernimmt, weil sie im Namen der Gruppe handelt und spricht, die die Rechte hält.

„Die Übertragung von Rechten regt auf lokaler Ebene zu neuen Handlungsweisen an und schafft die Voraussetzungen für Investitionen in neue Formen gemeinschaftlicher Forstbetriebe“, so Lawry.

Lawrys Studie wurde im Rahmen des CGIAR-Forschungsprogramms zu Politik, Institutionen und Märkten (PIM) unter der Leitung des International Food Policy Research Institute (IFPRI) finanziert.

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